Anlässlich der internationalen Bioland-Schweinetagung 2012 im österreichischen Wels stellen wir Ihnen unsere Schweinehaltung vor. Für die Tagung in Wels wurden wir angefragt die Ebermast an einer Podiumsdiskussion zu vertreten.
Die Schweinehaltung auf dem Betrieb Silberdistel:
Seit 2006 halten wir auf unserem Hof Schweine. Angefangen haben wir mit zwei Zuchtsauen von einem Betrieb, der die Schweine auf Robustheit und Weidetauglichkeit züchtet.
Anfänglich haben wir die Tiere künstlich besamt, als diese Arbeit jedoch niemand von uns gerne machen wollte und es sich auch bei den anderen Tieren: Angus- Rinder, Rothirsche und Hühner auf dem Hof gezeigt hat, was für einen Wert ein männliches Tier in einer Herde haben kann, war für uns klar, in Zukunft die Sauen mit einem Eber zu decken. Auf einigen Betrieben im Ausland, z.B. in Spanien, haben wir Einkreuzungen von alten Rassen gesehen, aus welchen international beliebte Spezialitäten gemacht werden. Auch die eigenen Erfahrungen in der Fleischverarbeitung haben gezeigt, dass aus Schweinen mit einem hohen Magerfleisch- Anteil eine Produktion von Roh-Ess- Spezialitäten nicht möglich ist.
Aus diesen Gründen fingen wir an nach anderen „alten“ Rassen Ausschau zu halten. Es wurde uns sehr einfach gemacht. Es gab nur eine Rasse neben den herkömmlichen Schweinerassen und neben den für uns zu extensiven Wollschweinen. Nämlich die Turopolje. Leider war und ist noch heute der Zugriff auf „alte extensive“ Rassen in Europa sehr schwierig. Lebende Tiere zu importieren ist fast unmöglich und mit Sperma ist nur eine Verdrängungskreuzung möglich.
Es war also einfach - keine Qual der Wahl. Wir kauften im Jahr 2008 einen reinrassigen Turopolje- Eber und fingen an, diesen mit unseren Mohren zu kreuzen. Das Ergebnis waren gesunde, vitale Ferkel, die aber schnell zur absoluten Verfettung neigten, sogar die Eber hatten nach 160 Tagen zu viel Fett.
Dies führte dazu, dass wir einen F1 Eber nachzogen und diesen seither zum kreuzen mit den Muttertieren brauchen. Die Ergebnisse sind bei den Ebern wie bei den Möhrli (weibliche Masttiere) sehr erfreulich.
Die Ebermast:
Wie bereits erwähnt, fingen wir mit 2 gedeckten Mohren an. In kurzer Zeit stellte sich die Frage, ob wir die Ferkel kastrieren oder nicht. Im Lehrjahr habe ich geholfen, Ferkel zu kastrieren, weil diese zur Zeit des Eingriffs oft schon älter waren, war diese Arbeit für mich mühsam. Das Leiden der Tiere beschäftigte mich längere Zeit. Diese Erfahrung unterstützte mich bei der Entscheidung die Eber nicht zu kastrieren, die Ungewissheit, wie es ausgeht, aber blieb.
Mit Partnerbetrieben fingen wir schon früh an, für die Mast der Eber Lösungen zu suchen. Gefunden haben wir erst einen Betrieb, der Milch verarbeitete und die Eber vor allem mit Molkereinebenprodukten fütterte. Die Tiere gingen auf wie Hefekuchen, das Fleisch war aber sehr nass. Als dieser Betrieb wegen der Geruchsemmissionen aufgehört hat, haben wir schon einen zweiten gefunden, der trotz Milchproduktion die Eber hauptsächlich mit Getreide und Kartoffeln füttert. Diese Betreibe hatten nie andere Schweine ausser unserer Masteber. Man kann also von einer Geschlechter getrennten, isolierten Mast sprechen. Auch die Gruppen blieben oft von Anfang bis zum Ende der Mast zusammen und wurden nicht immer wieder ausselektioniert. Das führt dazu, dass die Tiere ruhig bleiben und nicht ständig, wie der Ebermast oft nachgeredet wird, Rangkämpfe stattfinden, die zu erheblichen Verletzungen führen können. Also ist es eine Geschlechter getrennte, isolierte, Geschwister-Gruppen Mast.
Kurz gesagt eine: iso 3G Mast.
Geschlachtet werden die Eber hauptsächlich nach Alter und weniger nach Gewicht. Die Tiere werden 6 Monate alt und wiegen durchschnittlich 65 - 90 kg am Haken. Wir unterziehen alle einer Kochprobe. Dafür schneiden wir ein Stück Fleisch mit Fett am Hals heraus und braten dieses in einer Pfanne kurz an. Meine Partnerin und ich beurteilen die Eber, bevor diese weiter verarbeitet werden.
Erfahrungen mit Eberfleisch:
Seit Beginn unserer Schweinehaltung verarbeiten wir alle Tiere in der hofeigenen Metzgerei. Primär verkaufen wir das Eberfleisch als Schweinefleisch an Private und in die Gastronomie, auch Caterings führen wir gelegentlich durch. An zwei grossen Bio Messen führten wir zusammen mit Bio Suisse auch Degustationen mit Eber- und Möhrli- Würstchen durch: siehe Evaluation.
Bis jetzt haben wir keine unserer Eber als zu geruchsbelatet deklassieren müssen trotz besonderer Sensibilität auf die Stoffe Androstenon, Skatol und Indol, die wir anlässlich eines Kurses von ART Liebefeld überprüft haben.
Einschätzung:
Trotz hohem Interesse an unserer Ebermast von Kiel bis Wels arbeiten und erforschen wir die Ebermast auf unserem Betrieb „ziemlich“ alleine. Was für uns immer auch einer Risiko- Analyse bedarf, bevor wir wieder einen neuen Versuch starten. Wir wünschten uns deshalb mehr Unterstützung durch Forschungsprojekte, um Praxisversuche von der Haltung bis zur Vermarktung nicht alleine tragen zu müssen. Um das Ziel der EU auch in der Schweiz zu erreichen, muss das Erfahrene und Analysierte auch intensiver ausgetauscht werden. Denn die Ebermast ist möglich!!!
Weitere Infos:
Cäsar & Oliver Bürgi
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Cäsar 079 743 88 13
Oliver 079 372 57 10

